Archiv der Kategorie 'interdisziplinäre Ringvorlesung "Nachhaltigkeit"'

Problematisch ist nicht die Endlichkeit der Ressourcen, sondern ihre Nutzung

Zusammenfassung der Ringvorlesung Nachhaltigkeit vom 7.2.2012

Am 7. Februar 2012 hielt Friedel Bolle von der Viadrina den Abschlussvortrag der interdisziplinären Ringvorlesung Nachhaltigkeit und beschäftigte sich mit der Reichweite endlicher Ressourcen aus Sicht der Volkswirtschaftslehre. Dabei stand die Frage im Zentrum, ob es überhaupt sinnvoll und möglich ist, Planungen für den Ressourcenverbrauch über Generationen hinweg vorzunehmen. Zunächst stellte Bolle fest, dass die Menschheit fast in ihrer gesamten Geschichte mit den verfügbaren Ressourcen planen musste. Da diese nie in unbegrenzter Menge vorhanden waren, war die Mangelverwaltung eine gängige Praxis und nebenbei gleichzeitig der Anstoß für viele ökonomische Theorien. Auf der Erde sind in der Vergangenheit schon viele Zivilisationen zugrunde gegangen, einige davon auch durch Fehlplanungen. Das Novum unserer Zeit besteht jedoch darin, dass heute die gesamte Menschheit durch das drohende Ende der Verfügbarkeit von Ressourcen wie Kohle, Öl und seltenen Metallen bedroht ist, auf denen die heutige Wirtschaft aufgebaut ist. (mehr…)

Nachhaltigkeit an Universitäten

Zusammenfassung der Ringvorlesung vom 24. Januar 2012

Am 24. Januar war Gerd Michelsen, Leiter des Instituts für Umweltkommunikation an der Leuphana-Universität Lüneburg, bei der Ringvorlesung Nachhaltigkeit an der Viadrina zu Gast. In seinem Vortrag zum Thema „Sustainable University“ stellte er dar, welche Aufgaben auf Universitäten in puncto Nachhaltigkeit zukommen, wobei er den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit in der Lehre legte und andere Bereiche, wie die Forschung oder die nachhaltige Gestaltung des Campus nur streifte. Michelsen zufolge sollte Lehre an einer Hochschule globale Fragen aus ökonomischer, ökologischer, soziale und kultureller Perspektive betrachten, um fächerübergreifende Lösungen für die drängenden gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit zu entwickeln. Mit diesem Ziel geht aber auch eine Veränderung des Charakters des Wissens einher, das an Hochschulen vermittelt wird. Denn deutlich mehr als bisher muss es sich dabei auch um Meta-Wissen handeln, also Wissen über das Wissen, welches gleichzeitig die Spielräume und Grenzen der Möglichkeiten bewusst macht, die dieses Wissen bietet. Zudem muss auch die Befähigung zur aktiven Gestaltung der Gesellschaft in die Wissensvermittlung einbezogen werden. Im Zentrum der Hochschulbildung soll also nicht nur das Wissen selbst stehen, sondern das Resultat des Bildungsprozesses und damit die Frage, was mit einer Hochschulausbildung erreicht werden soll. Neben Ermutigung zu gesellschaftlichem Engagement zählen auch die Wertschätzung der Lebensgrundlagen der Gesellschaft, das Infragestellen gewohnter Praktiken und das Entwickeln innovativer Problemlösungsstrategien im Zentrum einer nachhaltigen Lehre. (mehr…)

Wie viel Platz für Nachhaltigkeit gibt es heute in Unternehmen?

Zusammenfassung der Ringvorlesung vom 17. Januar 2012

Mit seinem Vortrag zur Nachhaltigkeit in der Unternehmenspraxis gab der Unternehmensberater Fabian Schwan-Brandt am 17. Januar bei der Ringvorlesung Nachhaltigkeit an der Viadrina einen Einblick in seine Berufspraxis und stellte dar, welchen Rolle Nachhaltigkeit heute für Wirtschaftsunternehmen spielt. Im Zentrum stand dabei das allseits bekannte Schlagwort der „Corporate Social Responsibility“ (CSR), die heute nicht mehr nur soziale, sondern auch ökologische Aspekte umfasst.

Zunächst stellte Schwan-Brandt dar, dass der Mythos eines unendlichen Wachstums kaum aufrechterhalten werden kann und auch Unternehmen mit dieser Einsicht umgehen müssen. Angesichts des Klimawandels und der Endlichkeit vieler Ressourcen müssen auch sie damit beginnen, Umweltkosten in ihre Kalkulationen aufzunehmen und wirklich nachhaltig zu handeln. Aus dieser Notwendigkeit heraus sind in vielen Unternehmen ganze Abteilungen damit beschäftigt, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen, für die sie meist Kooperationen mit Kommunikationsberatern wie Schwan-Brandt eingehen. An die Berichte werden in den großen Unternehmen heute hohe Standards angelegt, da sie auch als Marketing-Instrument dienen. Durch eine externe Prüfung ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die in diesen Berichten getroffenen Aussagen richtig sind, so Schwan-Brandt. Jedoch muss beachtet werden, dass bei der Prüfung der Berichte nicht die Datengrundlage und deren Erhebung hinterfragt wird, sondern lediglich die Kohärenz der daraus abgeleiteten Aussagen. Zudem werfen solche Berichte immer auch die Frage nach „Greenwashing“ auf, denn ihre Erstellung stellt häufig den Versuch dar, einen Spagat zwischen der Bewerbung von tatsächlich nachhaltigen Innovationen und der Schaffung eines bloßen ökologischen oder sozialen Images ohne wirkliche Grundlage zu schaffen. (mehr…)

Kommen Moral und Ethik auch in der Finanzwelt an?

Zusammenfassung der Ringvorlesung vom 10. Januar 2012

Bei der interdisziplinären Ringvorlesung zum Thema Nachhaltigkeit an der Viadrina waren am 10. Januar 2012 Sabine Meck und ihre Mitarbeiterin Jasmin König zu Gast. Sie beschäftigen sich in ihrer Forschungstätigkeit am Steinbeis-Transfer-Institut Berlin mit Nachhaltigkeit im Finanzsystem. Dieses Thema kann mit verschiedenen Schwerpunkten untersucht werden, wobei der Fokus von Meck und König auf ethischen und moralischen Fragen in der Finanzwelt liegt und Themen wie beispielsweise die Nachhaltigkeit einzelner „Produkte“ des Finanzmarktes in ihrem Vortrag aus Zeitgründen nicht angesprochen wurden. Eine der zentralen Aussagen des Vortrags von Sabine Meck lautete, dass ethisches Handeln auch unabhängig von der Finanzmarkt- und Eurokrise wieder stärkere Konjunktur erlebt. Um dies näher auszuführen, erläuterte sie zunächst ihr Verständnis von Ethik als Grundlagenwissenschaft, die in allen Lebensbereichen gleichermaßen Anwendung findet. So entwickeln Menschen im Laufe ihres Lebens eine Werthierarchie, die relativ stabil und nur über lange Zeiträume veränderbar ist. Ethik soll in diesem Prozess als mäßigendes Element der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten dienen und eine Ausgewogenheit im Leben sicherstellen. (mehr…)

Nachhaltigkeit medial nach wie vor unterrepräsentiert

Zusammenfassung der Ringvorlesung Nachhaltigkeit vom 3.1.2012

Nachhaltigkeit und Medien: Ein Missverständnis? Mit diesem Thema eröffnete Steffen Grimberg, Medienjournalist bei der taz, die Ringvorlesung zum Thema Nachhaltigkeit an der Viadrina im neuen Jahr. Im Fokus seines Vortrages standen die klassische Medien, vor allem Presse und Fernsehen, wenngleich der Blick auf das Internet immer wieder einfloss. Er begründete diesen Schwerpunkt auch gleich zu Beginn mit der These, dass klassische Massenmedien immer noch wichtiger sind als die so genannten „neuen Medien“, was nicht zuletzt das Beispiel „Wikileaks“ gezeigt hat. Zwar konnte das „Enthüllungsportal“ schon seit geraumer Zeit Aufmerksamkeit erregen, der Durchbruch gelang aber erst, als mit konventionellen Medien, z.B. dem britischen „Guardian“ oder dem „Spiegel“ in Deutschland zusammengearbeitet wurde. (mehr…)